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Anleitung

So arbeitest du mit dem KI-Entscheidungs-Canvas

Wie eine Sitzung abläuft, wer mitarbeitet, wann der Canvas sinnvoll ist und was er nicht leistet. Den Hintergrund findest du unter Warum und wie.

Ablauf

So läuft die Arbeit ab

Ein Use Case beginnt meist in einem Workshop: Eine Person moderiert, das Team trägt Notizen in die neun Felder ein. Jede Notiz bekommt eine ID (zum Beispiel N3), einen Typ und einen Status. Drei Regeln gelten: Eine Notiz enthält genau einen Punkt, ein Ziel braucht eine verknüpfte Test-Notiz, und „belegt“ verlangt einen Nachweis mit Geltungsbereich. Typ, Status und Pflichtfelder beschreibt die Anleitung Notizen im KI-Entscheidungs-Canvas.

Illustratives Beispiel (kein realer Fall): interner Wissensassistent

Idee: „Wir bauen einen Chatbot über unsere Dokumentation.“

Lösungshypothese: Der Assistent beantwortet Fragen anhand freigegebener Produktdokumente. Er erhält nur lesenden Zugriff, HR-Unterlagen bleiben ausgeschlossen.

Offene Voraussetzungen: Funktionieren die Zugriffsbegrenzungen? Bietet der Assistent einen Mehrwert gegenüber der bestehenden Suche? Wie hoch ist der Pflegeaufwand für die Dokumente?

Nächste Entscheidung: nicht „Chatbot bauen“, sondern „Voraussetzungen prüfen und anschließend über einen begrenzten Pilot entscheiden“.

Den Fall mit allen neun Feldern zeigt der Beitrag Beispielfall: Der interne Wissensassistent Schritt für Schritt.

Rollen

Wer damit arbeitet

Der Canvas ist kein Formular, das ein Product Owner allein ausfüllt und an die Umsetzung weitergibt. Am besten bearbeiten ihn Produkt, Fachbereich und Engineering gemeinsam. Die Moderation kann ein PO, Technical PO oder eine andere geeignete Person übernehmen. Sie hält Problem, Nutzen und nächste Entscheidung zusammen.

RolleBeitrag
PO / Technical POProblem und Ergebnis schärfen, Annahmen sichtbar machen, nächste Schritte organisieren
Anwender oder Fachexperteden tatsächlichen Arbeitsablauf, Sonderfälle und Fehlerfolgen erklären
Entwickler / Tech Lead (mit KI- und Datenkompetenz)Alternativen, Integrationen, Aufwand, Modellansatz und Evaluation beurteilen
Entscheidungs- oder Budgetverantwortlicheüber den nächsten Schritt innerhalb ihrer Befugnisse entscheiden. Sie müssen nicht den ganzen Workshop besuchen, sind aber Adressat der Entscheidungsvorlage

Nicht jede Rolle braucht eine eigene Person. Fehlt Kompetenz, steht das als offene Voraussetzung im Canvas und wird nicht durch Vermutungen ersetzt. Datenschutz, Informationssicherheit, Betrieb und UX kommen nach Bedarf dazu. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die klare Zuordnung von Verantwortung orientieren sich am NIST AI Risk Management Framework. Der konkrete Workshopablauf ist mein eigener Vorschlag.

Ein externer PO oder Berater kann moderieren und macht dabei transparent, was vom Kunden stammt, was seine eigene Einschätzung ist und welche unabhängige Fachprüfung nötig bleibt.

Zeitpunkte

Wann der Canvas eingesetzt wird

Der Canvas bleibt damit eine versionierte Übersicht und kein einmaliges Workshop-Ergebnis.

Einstieg

Die erste Sitzung

Der PO bereitet einen konkreten Use Case vor, nicht die gesamte KI-Strategie. Die erste Sitzung dauert nach meinem Vorschlag höchstens 90 Minuten und endet mit einem nächsten Schritt, Verantwortlichen und einer Entscheidungsfrage statt mit einer vollständigen Planung. Die neun Felder sind eine Gesprächsstruktur und müssen nicht in einer Sitzung vollständig beantwortet werden. Vorbereitung, Zeitbox und Rollen beschreibt die Anleitung Die erste Sitzung im KI-Entscheidungs-Canvas.

Ergebnis

Welche Entscheidungen möglich sein müssen

Ein gutes Ergebnis ist nicht zwingend die Freigabe eines KI-Projekts. Mögliche Entscheidungen sind: keine zusätzliche KI, zunächst Voraussetzungen klären, eine begrenzte Lösung testen, Umfang oder Architektur ändern, einen Pilot starten, nach einem Pilot begrenzt weiterbetreiben oder erweitern, oder das Vorhaben stoppen. Der Canvas ist keine Aufforderung, möglichst viel KI einzusetzen.

Abgrenzung

Wie der Canvas das Refinement ergänzt

Viele Fragen des Canvas klären Teams auch im Refinement, und für viele KI-Funktionen reicht das. Der Canvas ersetzt diese Arbeit nicht. Er hält die übergreifende Entscheidungsgrundlage an einem Ort fest: ob und unter welchen Bedingungen man eine KI-Lösung baut. Das verteilt sich sonst leicht über mehrere Backlog-Einträge und Zuständigkeiten.

Nicht jede KI-Funktion braucht einen eigenen Canvas. Bei einfachen, risikoarmen Anwendungen reicht häufig eine kürzere Prüfung im Arbeitsablauf. Entscheidend sind Daten, Nutzung und Fehlerfolgen, nicht der Funktionsname. Der Canvas lohnt sich vor allem, wenn mindestens eines zutrifft: Die Ergebnisse fließen in Entscheidungen oder an Kunden, das System greift auf vertrauliche Daten zu, es handelt selbst, oder der Gesamtaufwand ist groß.

Ehrlich gesagt

Was der Canvas nicht leistet

Ein ausgefüllter Canvas beweist weder technische Machbarkeit noch wirtschaftlichen Nutzen. Er ersetzt keine Architektur-, Sicherheits-, Datenschutz- oder Rechtsprüfung und ist kein Freigabezertifikat. Er macht sichtbar: Was wissen wir? Was nehmen wir an? Was ist noch offen? Welche Nachweise brauchen wir für die nächste Entscheidung? Die Freigabe von Budget, Pilot und Betrieb trifft die dafür befugte Instanz, auch ein Product Owner kann einen Pilot nur empfehlen.

Der Canvas ist ein eigener, auf Berufserfahrung gestützter Arbeitsentwurf. Das beschriebene Vorgehen ist eine praktische Empfehlung und kein wissenschaftlich nachgewiesenes Erfolgsverfahren. Die lokale Speicherung im Browser ist nicht verschlüsselt und keine Sicherung: Wichtige Fälle sicherst du zusätzlich als JSON-Datei.

Zwei Funktionen fehlen bewusst:

Jetzt mit einem Fall starten

Ein Satz zum Vorhaben reicht für den Anfang. Alles Weitere ergibt sich im Canvas.

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