1Das Problem
Viele KI-Vorhaben starten mit einer Lösung statt mit einer Frage: „Wir bauen einen Chatbot.“ Ob er gebraucht wird, woran man Erfolg erkennt und wer die Verantwortung trägt, bleibt offen.
Der Canvas stellt vorab Fragen, die später teuer werden:
- Wer hat das Problem – und wie oft?
- Woran erkennen wir, dass es besser wird?
- Was nehmen wir nur an, und was ist belegt?
- Braucht das Problem überhaupt KI?
2Warum das jeden betrifft
Product Owner
Anforderungen lassen sich begründen und nachprüfen, statt nur zu behaupten, dass etwas nützlich ist.
Entwicklung
Annahmen und Testbedingungen stehen vor dem Bauen fest – das vermeidet Nachbesserung an der falschen Stelle.
Fachbereich & Leitung
Entscheidungen sind dokumentiert: Was wurde geprüft, was ist offen, unter welchen Bedingungen geht es weiter?
Rollen können zusammenfallen. Der Canvas funktioniert allein genauso wie im Team.
3So funktioniert die Arbeit
Anwendungsfall in einem Satz
Beschreibe das Vorhaben kurz. Der Geführte Einstieg („Mit 5 Fragen starten“) legt daraus erste Notizen an. Das Beispiel zeigt einen ausgefüllten Fall.
Unter „Falldaten & Merkmale“ ergänzt du Team, Datum, Fallversion und markierst, was auf das Vorhaben zutrifft (Aktionen mit Wirkung, personenbezogene Daten, externe Dienste).
Neun Felder in drei Zonen
Das Canvas gliedert sich in die Zonen A, B und C mit insgesamt neun Feldern. Zonen lassen sich ein- und ausklappen.
Über die Lupe vergrößerst du ein Feld auf die ganze Fläche, die Notizen wachsen mit. Beispielsätze in den Feldern sind Hinweise und werden nicht gespeichert.
Notizen mit Typ und Status
Jede Notiz hat einen Typ: Aussage, Ziel, Annahme, Frage, Test oder Nachweis. Das Fragezeichen erklärt die Werte.
- offennoch nicht geklärt
- angenommengilt vorläufig, ist aber nicht geprüft
- belegtmit Nachweis, Quelle und Geltungsbereich
Ein Beleg kann auch gegen das Vorhaben sprechen und ersetzt keine Freigabe. Unter „Details“ trägst du Verantwortliche, Termin, Prüfschritt, Nachweis und Verknüpfungen ein. Ein Ziel braucht einen Test.
Planung prüfen
„Planung prüfen“ führt zu den Offenen Punkten. Der Dokumentationsreview (Kurzcheck oder alle Regeln) zeigt Lücken in der Dokumentation – ohne Score.
Die Prüfaufträge sind eine Tabelle mit Prüfschritt, Zuständigkeit und Termin. Änderungen gelten auch für die zugehörige Notiz.
Nächste Entscheidung dokumentieren
Im Tab „Entscheidung“ hältst du Ergebnis, Begründung und Bedingungen fest. Mögliche Ergebnisse:
- Noch nicht entschieden
- Weiter untersuchen
- Pilot unter Bedingungen starten
- Umfang ändern
- Weiterbetrieb empfehlen
- Stoppen
Die Lösungshypothese reicht von „Keine zusätzliche KI“ über Regeln oder Standardsoftware bis zu einem begrenzten Agenten.
Sichern und weitergeben
Über das Datei-Menü speicherst du den Fall als JSON, druckst ihn oder erzeugst ein PDF. Die Entscheidungsnotiz gibt es als Markdown, die Prüfaufträge als CSV oder Backlog (Exportieren ▾). Versionsstände halten Zwischenstände fest.
Die Daten bleiben im Browser und sind dort nicht verschlüsselt. Für eine dauerhafte Sicherung lädst du den Fall als JSON herunter.
4Ein kleines Beispiel
Illustratives Beispiel, kein realer Fall: dieselben Fragen, einmal ohne und einmal mit Canvas.
| Frage | Ohne Canvas | Mit Canvas |
|---|---|---|
| Wer braucht das? | „Das Team halt“ | „Der PO, vor jedem Refinement“ |
| Funktioniert es? | „Fühlt sich gut an“ | belegt durch Vergleich mit der manuellen Checkliste |
| Was ist noch offen? | Niemand weiß es genau | „Zeitaufwand für Korrekturen – Test mit Termin und Verantwortlichem“ |
| Entscheidung? | Einfach weitergebaut | „Pilot unter Bedingungen, danach erneut prüfen“ |
5Grenzen und Datenschutz
- Der Canvas prüft nicht, ob Aussagen wahr, sicher oder rechtskonform sind. Er macht sichtbar, was dokumentiert ist und was fehlt.
- Es gibt keinen Score und keine automatische Freigabe. Die Entscheidung bleibt bei Menschen.
- Alles läuft lokal im Browser. Es gibt keine Übertragung an einen Server und keine Verschlüsselung der lokal gespeicherten Daten. Trage keine vertraulichen Inhalte auf gemeinsam genutzten Geräten ein.
6Häufige Einwände
„Das dauert doch länger als einfach loszulegen.“
Eine erste Runde ist kurz gehalten. Eine falsch gebaute KI-Lösung kostet im Nachhinein deutlich mehr Nachbesserung – und manchmal Vertrauen.
„Ich bin doch kein Product Owner.“
Der Canvas ist für jeden gedacht, der eine Idee hat – allein oder im Team. Rollen können zusammenfallen, die Fragen bleiben dieselben.
„Am Ende kommt doch eh ‚baut die KI‘ raus.“
Nein. „Keine zusätzliche KI“ oder „Stoppen“ sind genauso gültige Ergebnisse wie ein Pilot – und oft die klügeren.
„Reicht nicht auch eine Checkliste?“
Eine Checkliste zeigt nur, ob ein Feld ausgefüllt ist. Der Canvas unterscheidet, ob etwas nur angenommen oder wirklich belegt ist – das ist der Unterschied zwischen Abhaken und Nachweisen.
Jetzt mit einem Fall starten
Ein Satz zum Vorhaben reicht für den Anfang. Alles Weitere ergibt sich im Canvas.
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